
Applikationen
Bestimmung von Wasserhaushaltsgrößen auf unbewachsenen Tagebaukippen der Bergbaufolgelandschaft der LausitzD. Biemelt & U. Grünewald, BTU Cottbus, Lehrstuhl Hydrologie und Wasserwirtschaft |
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Landschaft und Wasserhaushalt der Lausitz sind durch den jahrzehntelangen großflächigen Braunkohleabbau geprägt. Gegenwärtig stellen auf Grund der Defizite von Rekultivierungsmaßnahmen in den letzten Jahren des Bestehens der DDR nahezu unbewachsene, nicht rekultivierte, nach Beendigung der bergbaulichen Tätigkeit sich selbst überlassene Kippenbereiche (Offenland) einen bedeutsamen Flächenanteil in der Bergbaufolgelandschaft dar. Offenlandbereiche werden in der Lausitz auf Grund ihrer ökologischen Bedeutung für schützenswert gehalten und können z.T. wegen der Gefahr großräumigen Setzungsfließens nur nach hohen Aufwendungen anderweitig nutzbar gemacht werden. Zudem ist eine Einstellung von derzeitigen Sanierungsarbeiten auf Grund ökonomischer Zwänge oder veränderter gesellschaftlicher Leitbilder nicht auszuschließen. Im globalen Blickwinkel stellen Offenlandbereiche eine zunehmend bedeutendere Form der “Landnutzung” nach massiven Störungen wie Waldbränden, -rodungen, Versteppungen usw. dar. Über die Wasserhaushaltskomponenten von Offenlandbereichen existieren erhebliche Unsicherheiten. z.B.-wurden für die Grundwasserneubildung (GWNB) von Kippen der Lausitz ohne Vegetation in früheren Arbeiten Werte zwischen 28 mm a-1 und 440 mm a-1 ermittelt. Die Vergleichbarkeit ist zudem durch unterschiedliche Untersuchungszeiträume und -standorte stark eingeschränkt. Ziel der nachfolgend beschriebenen Untersuchungen ist deshalb eine verbesserte räumliche und zeitliche Quantifizierung der Wasserhaushaltskomponenten von Offenlandbereichen. Auf Grund des besonders in den Sommermonaten hohen Benetzungswiderstandes der tertiären Substrate entsteht schon bei vergleichsweise geringen Niederschlagsintensitäten Oberflächenabfluss. Damit verbunden ist eine starke Veränderung der Geländeoberfläche durch Erosion, in deren Folge sich charakteristische Geländestrukturen herausbilden. Diese werden als bewachsene und unbewachsene Kuppen, Erosionsrinnen und Mulden bezeichnet. Unter den Mulden werden zeitweise mit Wasser gefüllte Geländesenken verstanden. |
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Untersuchungsgebiet |
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Das Untersuchungsgebiet befindet sich etwa in der Mitte zwischen Dresden und Berlin auf der Kippe des ehemaligen Tagebaus Schlabendorf Nord. Es liegt am westlichen Ufer des Lichtenauer Sees (Restloch F). Ein ca. 8 km langer und zwischen 200 und 800 m breiter Kippenbereich entlang des zukünftigen Tagebausees wurde wegen der noch notwendigen Sicherungsmaßnahmen gegen die Gefahr des Setzungsfließens bei allmählich ansteigendem Grundwasser bisher nicht rekultiviert und seit Ende der Abbautätigkeit im Jahre 1977 einer eigenständigen Sukzession überlassen. Derzeit ist eine Nutzung als Naturschutzgebiet vorgesehen. Der angrenzende Lichtenauer See kennzeichnet mit seinem Wasserstand die Höhe der gegenwärtigen Grundwasseroberfläche am Standort. Aufgrund der Höhendifferenz von derzeit rund 10 m zwischen Wasser- und Geländeoberfläche ist der Standort als grundwasserfern einzustufen. An der Kippenoberfläche ist ein Relief mit Höhenunterschieden von einigen Metern bei horizontalen Ausdehnungen von einigen 100 Metern entstanden. Teilweise entwickelt sich auf den weniger wuchsfeindlichen Substraten horst- und streifenförmig eine spärliche Pioniervegetation. Modell und Messkonzept
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Messungen
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Modellrechnung |
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Die Kalibrierung bzw. Überprüfung des entwickelten Modells an Hand gemessener Saugspannungen und Wasserstände in der Geländesenke lässt erkennen, dass die verwendeten Module bzw. die eigenständigen Modellbildungen die Zusammenhänge weitestgehend richtig wiedergeben.
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Schlussfolgerungen |
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Eine wirksame Kontrolle des Oberflächenabflusses und damit der Erosion auf Offenlandbereichen der Bergbaufolgelandschaft, die mit Einträgen säurebildender Materialien in Gewässer verbunden ist, kann durch die Überwindung der Hydrophobie der relevanten Substrate erreicht werden. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die an bestimmtem Stellen der Offenlandbereiche bevorzugte Versickerung wegen überproportionaler Auswaschung der säurebildenden Minerale dort eher zu pH-neutralen Sickerwässern führen wird als in weniger oft durchströmten Bereichen. Aufgrund der speziellen chemischen und physikalischen Besonderheiten dieser Kippenmassive ist die Berücksichtigung der hier vorgestellten Ergebnisse für die Berechnung von Stoffausträgen bzw. stofflichen Belastungen des Grundwassers außerordentlich bedeutsam. Die Grundlagen für eine physikalisch basierte mesoskalige Modellierung hydrologischer Prozesse sind noch unzureichend. Daraus ergeben sich im Gegensatz zum Ideal einer uneingeschränkten Übertragbarkeit von Modellvorstellungen meist an den konkreten Zielen orientierte Prozessbeschreibungen und Modellstrukturen. Die Kombination von Gelände- und Modellexperimenten dient dabei der Vermeidung von Fehleinschätzungen, die sich aus formalen Modellübertragungen ergeben können. Eine Verallgemeinerung bezüglich des statistischen Schwankungsverhaltens der Witterungsbedingungen und eine Vereinfachung der Vergleichbarkeit verschiedener Untersuchungen wird durch die Anwendung von Modellvorstellungen auf längere Beobachtungsreihen wie z.B. klimatologische Normalperioden erreicht. |